Samstag, Januar 21, 2006

Am Wahnsinn des Randes.

Letzten Donnerstag ...
Da lief ich so gegen halb elf morgens auf dem Weg zur Arbeit frierend und bibbernd die Straße entlang. Schlage den Weg zum Berg zwischen den Häusern hindurch ein und beäuge das steile, asphaltgraue, mit Schneeinseln behäubte Etwas hinunter. Die Spannung stieg: Würde ich es heil nach unten schaffen? Meinen Bus noch kriegen? Fliegen lernen?
Doch wie mir schien wars warm genug, also ging ich frohen Mutes hinab. Fummelte ein Taschentuch aus meiner Manteltasche... und ging gravide zu Boden.

.... und da, liebe zuschauer, nein, was ist denn jetzt los??? ihr linkes bein rutscht weg.... aaah, doch sie kann sich mit dem rechten noch auffangen. aber moment, das is doch das bein, mit dem sie in den letzten tagen solche schwierigkeiten hatte? neeeeein, ooooh, das sieht böse aus.... das rechte bein eingeknickt - ds knie wird sich bedanken - das linke geradeaus von sich gestreckt, gleitet die ausdauersportlerin den berg hinab. schauen sie nur, wie eine elegante karate-kämpferin im kick-sprung-ansatz rutscht sie da lang! doch nein, was ist das? eine schneeinsel! hoffentlich wird sie ihr noch ausweichen kö... neeeeeeein, zu spät, mit dem rechten knie voran stürzt sie kopfüber über den gefrorenen schnee. das sieht übel aus, meine lieben zuschauer.... jetzt liegt sie da und scheint ein nickerchen machen zu wollen....

Mit pochendem Bein lag ich da so rum und suhlte mich in einer Pfütze aus Selbstmitleid. So'n spiegelglatter Weg kann echt hinterhältig sein, wenn nicht zufällig grad ne Sonne drauf scheint.

Und die Moral von der Geschicht:
Aua.


In der Nacht von gestern auf heute...
...hab gestern wieder bis 9 gearbeitet. Ging um 12e ins Bett und schlief auch recht schnell ein. Halbe Stunde später kamen die Nachbarn wieder. Türenknallen, Klopapierrollengeklapper und eine Kakophonie aus Piss-, Kack-, Rotz-, Furz- und Kotzgeräuschen in Minutenabständen hielt mich wach. Ich bemühte mich redlich, meine Fassung und mein Abendessen zu behalten.
Das war lustig. Ha Ha.


Utopierter heutiger Abend...
... da häng ich so in vollen Bars mit vollen Menschen rum.
Links von mir irgendwelche Kreaturen mit emotionalen Krebsgeschwüren an der Backe, die einer vergilbten Liebe hinterher hinken und versuchen, diese in Alkohol zu ertränken.
Rechts von mir verknäulte Paare, die sich (Nar-)Kosenamen ins Ohr schlabbern und gegenseitig ihrem circengleichen Rumgeschwaller lauschen.
In der Mitte ich, mit entgleisten Gesichtszügen, mein Tunnelblick bahnt sich durch den Raum, Neonlichter zerstechen meine Iris. Rauschversunken gebe ich mich den hämmernden Bässen hin, um gleich darauf mit meinen Ischen und ein paar Tequilas der Zwerchfellinkontinenz zu fröhnen.
Schließlich is Ende. Der Tag atmet noch ein letztes Mal aus. Heimweg. Und dort.... Doch nein. Mein Monitor würde schamesschwanger erblassen angesichts dieser Tastaturträumereien. Denkt's euch selber aus.

Doch lassen wir das. Die Gegenwart penetriert unweigerlich meine Wunschträume.

Stattdessen...
...werde ich hier bleiben, in dieser Wohnung. Diesem All-Inclusive Urlaub für Infektionen. Ich werde mir eine Schachtel Zigaretten anzünden, meine Füße hochlegen und meinen Blick auf unscharf stellen. Meine Zunge wird gelangweilt und meine Augen des faden Anblicks meines Zimmers rasch überdrüssig sein. Deswegen werde ich aus purer Verzweiflung den Fernseher einschalten und all die übelriechenden Sendereste vom Vortag genießen. Guten Appetit.

Ich geh ma duschen und mich für den Abend feddich machen....